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FRANZ BRANDL
Franz Brandl
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Dr. Siegmund Kastner

Auf der Suche nach der Ordnung der Menschen und Dinge
entflieht Franz Brandl der traumlosen Hölle des Realen

Ein Bild treibt auf das nächste zu, ein Motiv löst das andere ab Gruppen von Bildern entstehen. Unvorhergesehenes und so noch nicht Gesehenes tritt vor unser Auge wenn Franz Brandl zur Feder oder dem Pinsel greift.

Das Unbewusste ist seine Antriebskraft. ES fließt wie Franz Brandl immer wieder feststellt in seine Bilder ein, konstituiert sich dort als benennbare Form und angedeuteter Inhalt, indem er je weils den Titel nachreicht und so sich selbst zur Festlegung zwingt. Vorgedachtes und Unbewusstes wie auch Nachgedachtes, das im Künstler schlummert erfährt die Umsetzung in Farbe und Form, wird in den Raum gestellt ob es nun seine Federzeichnungen oder Acrylbilder sind.

Wenn es um die Menschen, Blumen Kulissen und Landschaften geht, ist er der Gärtner, der arrangiert, er lässt die Blumen wachsen, die Personen sich entfalten, die Proportionen stellen sich ein, nichts fällt aus dem Rahmen.
Die Bewegung der Personen wird gestoppt, bisweilen wirken seine Figuren wie eingefroren, unterstrichen von einem kalten Blau, das mit Weiß unterlegt wird aber auch andere Farben sind seiner reichhaltigen Farbpalette nicht fremd. Die Erstarrung löst sich bei genauerem Hinschauen, die Bilder bauen Erwartungen auf, die den Betrachter nicht nur bewegen sondern weiterführen sollen.

Eine eigene versteckte Heiterkeit und Gelassenheit ist den Bildern eingeschrieben, wo Stillstand vermutet wird kündigt sich eine Dynamik an, die über das Geschaute hinausweist. Die Kraft des Geistes und die Logik der Liebe geben den Bildern und Zeichnungen Perspektive, damit sie nicht aus der gespannten Ruhe fallen und so die Ordnung der Dinge gestört wird.
Diese Ordnung speist sich aus dem Unbewussten, wie Franz Brandl immer wieder betont. Ob nun der Symbolismus oder der Surrealismus ihm über die Schulter blicken, nicht die Zuordnung zu den einzelnen Stilrichtungen ist das Entscheidende, zu eigenwillig sind seine Pinselführung und die Stimmungssignale seiner Farben.

Er findet zu den kleinen Erzählungen, bleibt dabei seinen Träumen, Ängsten wie auch Tagesresten und Wirklichkeitsfragmenten verhaftet. Zusätzlich schaffen sich Archetypen und Mythen Raum und greifen auf die abgesunkenen Erfahrungen der Menschheit zu.

Man ist versucht zu sagen, wo das Unbewusste Franz Brandl vorantreibt entsteht ein Bild – in letzter Zeit waren es viele.

Nicht unähnlich ist diese Vorgangsweise, wie wir sie bei der pittura metafisica vorfinden, mit deren Ansatz Brandl in abgewandelter Form spielt. Kaum nachzuvollziehen sind geometrische wie auch mathematische Strukturen und Modelle, die er den Bildern unterlegt. Dies kann nicht dem unbewusst gesteuerten Malvorgang zugerechnet werden. Emotion und Rationalität halten sich bei ihm nicht immer die Waage, sind somit in einem ständigen Konflikt, der den Schaffensvorgang begleitet und vorantreibt. Dieses Geheimnis kann mit Blick auf seine Werke begutachtet, auf seine Wirkung und Aussage oder Hermetik hin beobachtet werden. Hier öffnet sich ein Fenster zu Brandls Arbeiten.

Die einzelnen Bildformate sind häufig von dichten Farbkaskaden geprägt. Sie suggerieren eine vielschichtige Raumgestaltung bei der die Figuren häufig überproportional in das Bildganze gestellt werden um so die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

In der Verklammerung mit den Kulissen ist so etwas wie eine Suche nach einer verlorenen Heimat zu spüren. Dabei geht es nicht um die Unbehaustheit des Menschen, vielmehr steht im Vordergrund, die unbewusste Suche nach einer Orientierung des Menschen in einer Zeit, in der die Ordnung der Dinge und die politische Realität aus den Fugen zu geraten drohen und die sprachliche wie auch kulturelle Verortung ins Wanken gerät. Franz Brandl gehorcht einem Kompass, der tief in seinem künstlerischen Wollen schlummert. So hat er in Leo Bersani einen kundigen Wegweiser, der da feststellt: Infiltriert die Welt mit humaner Einbildungskraft und bringt sie zur Erscheinung als eine Welt, in der wir immer schon erwartet werden und die zu zerstören wir keinen Anlass haben.

Seine Arbeiten stiften Selbst – und Weltvertrauen. Es ist die Umkehr eines Fortschrittsglaubens in der Kunst, die sich naiv auf schlechte Utopie und hinkende Politik eingelassen hat. Die Träume, die sich nicht erfüllten melden sich wieder um einen neuen Anlauf zu nehmen.

In dieser Bewegung findet sich Franz Brandl mit seinen Arbeiten. Er geht den Weg wie ihn Mark Lewis beschreibt und versucht der „traumlosen Hölle des Realen“ zu entfliehen.

Die Sprache der Malerei begibt sich zum wiederholten Male auf die Suche nach Koordinaten und nimmt Anleihe beim Unbewussten wie es auch im Surrealismus praktiziert wurde. Dies geschieht bei Franz Brandl jenseits einer billigen Anlehnung an eine Stilrichtung. Er bleibt auf seiner Seite, indem er sich über seine graphischen Blätter über die Malerei und skulpturalen Arbeiten eine eigene Bilderwelt schafft. Noch einmal: Wo ES am Werk ist oder besser gesagt Brandl am Werk ist wird sichtbar, welche Kraftfelder entstehen, wenn man sich neugierig und interessiert seinem Werk annähert.

Dr. Siegmund Kastner